Während meiner Nicht-Teleportation auf dem Boot:
Nachdem wir wie beschrieben, diesen Morgen die Küstenstraße schon mehrfach auf und abgefahren waren, kamen wir um kurz vor zehn in dem kleinen Fischerdorf Bouliante an. Es liegt in einer Bucht, vor ihr in etwa 1,5km Entfernung die Pigeon Inseln.
Die Auswahl der Tauchexkursanbieter war groß, der Parkplatz voll, viel Gewimmel. Wir hatten anhand von Flyern schon einen favorisierten Anbieter herausgesucht, dessen kleine Holzbude war jedoch nicht besetzt, also gingen wir zu der nächsten sympathischen. Die junge Dame darin sprach wiedereinmal kein Englisch, führte mich jedoch direkt zu dem dazugehörigen Tauchshop am Wasser. Eine junge Engländerin, die dort arbeitete, sorgte für Verständigung. Als sie mir den täglichen Tauchplan erläuterte und ich auf die Uhr schaute, kam eins zum anderen: kurz vor zehn, super! Ich konnte mich noch kurzfristig einer Tauchgruppe zu den Pigeon Inseln anschließen.
Anfangs schien mir alles sehr organisiert: sofort stand eine Tauchflasche mit Jacket für mich bereit, Flossen wurden gebracht und anprobiert. Dann wurde ich zum Boot geschickt. Am Pier lagen Mehrere. Auf die Frage, welches es genau sei: good question! Eine freundliche Französin brachte mich draufhin zu einem Schlauchboot mit Außenbordmotor und einem Sonnendach. An Bord wollte ich wissen wo das Equipment verstaut wird, wieder die Antwort: good question, i never was on this boat before. ok.
Nach und nach trafen die Tauchcompadres ein: zwei Masterdiver, die jeweils aussahen, wie die jüngeren unehelichen Brüder von Gerald Depardieu, zwei Familien mit insgesamt drei etwa zehnjährigen Kindern, zwei älteren Damen, ein Päärchen und schließlich ca. Mittefünfziger mit interessanten Zähnen und längeren grauen Haaren. Er setzte sich sofort an das Steuerrad.
Unsere Namen wurden zwecks Vollständigkeit gecheckt und los gehts!
Wir fuhren sehr gemütlich, bzw. langsam. Trotzdem ging dem Motor kurz vor Erreichen der kleinen Inseln der Sprit aus. Das kam für den Kapitän sicher überraschend, denn die Tankanzeige war seit der Abfahrt auf Null. Die beiden Departieus kramten daraufhin eifrig in einer großen Box am Heck des Bootes, darin war noch ein Benzinkanister hingelaufen. Die Strömung trieb das Schlauchboot immer näher an die, der Insel vorgelagerten Felsen. Nach etwa 10min lief der Motor wieder - Problem gelöst, Heckbox kann wieder mit ihrem großen Deckel verschossen werden, wenn....ja wenn nicht eines der Kinder seinen Ellenbogen darauf abgelegt hätte, welcher nun einen heftigen Schlag vom herunter eilenden Deckel erhielt. Trotz großer Schmerzen, die das junge Gesicht erkennen ließen ,kam kein Schrei von Achtern. Tapfer Tapfer.Ab ins Wasser! Das Tauchen war eher unspektakulär, außer das unser Tauchguide, der Kapitän mit den lustigen Zähnen, mit großer Zielsicherheit an den Highlights des Tauchgangs vorbei schwamm, und sie erst nach intensiven Hinweisen der anderen Drei Taucher wahrnahm.
Sonntag, 26. Januar 2014
Tag 10: Von Tauchausflügen und orientierungslosen Ernies
Ich dachte, ich wäre dem Ernie-sein wenigstens ein wenig entwachsen.Aber anscheinend muss noch viel Regen Basse-Terre herunterregnen. Zur Erinnerung und was bisher geschah; seit ich in der Neon vor vielen, vielen Jahren einen Artikel über das Ernie und Bernd Syndrom gelesen habe, kann ich nicht umhin, dass immer wieder für mich selbst im Alltag zu bestätigen. Wer mag, kann ja einfach mal googlen: Neon, Ernie und Bert...das kann man finden. Als Kurzfassung: Jeder kennt Ernie und Bert aus der Sesamstraße, der eine denkt bevor er handelt, der andere handelt und verpeilt. Struktur gegen den Drang sich treiben zu lassen und den unerschütterlichen Glauben, dass sich alles von alleine fügt. Mitunter wird man von der Realität unterbrochen. Für mich persönlich ist immer noch nicht ganz klar, ob ich wirklich ein Ernie bin, oder einfach nur einen unglaublich schlechten Orientierungssinn habe.
Egal. Zurück zum Frühstück. Mit einem großen Schluck Kaffee, einem kleinen Stück Kuchen und einer Tasse voll Müsli wurde dieser Tag begrüßt. Aus der anfänglichen Planlosigkeit gegenüber diesem Tag wurde dann doch relativ schnell ein konkreter Plan. Da gestern genauso aufregend wie anstrengend war, entschieden wir uns zum Jacque Cousteau-Reservat zur Tauchstation zu fahren und einen Tauchgang für die nächsten Tage klar zu machen.
Nach einer knappen Stunde Fahrt... ja verrückt... auf dieser Inselhälfte muss man echt lange fahren: Aber ich mag die Autofahrten, die Dörfchen kennt man mit der Weile und ich bin in Deshaies immer noch zu entspannt, um rechtzeitig mein Foto von der Bucht zu schiessen. Immer zwei Kurven zu spät :-) Steht aber ganz große als Etappenziel für die nächsten vier Tage auf dem Zettel.
Endlich angekommen, endlich ein Parkplatz...(um 9:40 am Strand gar nicht so einfach auf n Sonntag) wir watschelten zuversichtlich zu dem kleinen Büdchen, dessen Flyer wir im Flyerstapel im Hotel am ansprechensten fanden. (Diesmal Safety First: english spoken war das Trigger-Wort). Die nette Frau brachte uns auch gleich dorthin -where the magic happens- zur Tauchstation. Dort waren alle furchtbar freundlich und zuvorkommend und auch wenn es nur noch 10 Minuten Zeit waren, konnte René am 10 Uhr Tauchgang teinehmen. Vollkommen euphorisch und motiviert wurde ich mit auf den Zettel für das Boot geschrieben, aber mitfahren und dann oben bleiben ... das ist irgendwie wie an den Strand fahren und nicht ins Meer hüpfen. In der Eile konnten wir uns weder verabschieden, noch einen Treffpunkt ausmachen noch irgendwas organisatorisches bereden. Eigentlich gut, weil ein Ernie braucht das nicht... irgendwie merkwürdig, aber wenigstens wußte ich, wann das Tauchboot zurückkommt. Die Zeit zwischen 10 und 12 war meine. Die Tauchstations-Schnecke hat mir noch erklärt, dass in der Bucht die Schildkröten zum Frühstück kommen und mir gezeigt wo ich schnorchel muss, um die Turtels zu sehen. Und so flanierte ich am voller werden Strand. Crepe war noch nicht offen und auf Kaffee hatte ich keine Lust. Aber wozu auch mehr wollen als da ist. Ich holte mein Handtuch mein Schnorchelzeug und vergnügte mich leider Schildkrötenlos am Strand und kam endlich mal wieder zu einer ausführlichen Leserunde (Gleitflug von Anne-Gine Goemans - nichts aufregendes, aber ich mag wie die Geschichte erzählt wird und ich kann mir alle, die in dem Buch vorkommen vorstellen).
Irgendwann wurde es kurz vor Zwölf und mein Herz machte einen kleinen Hüpfer, als das Tauchboot von Archipel Plongé anlegte. Kurzer erfolgloser Kenner-Blick über die ganzen Taucher, die ausstiegen...ein merkwürdiges Gefühl stieg in mir hoch...ich wusste, dass René eine rosa Taucherflasche hatte, dass fand ich nämlich ziemlich lustig.
Da war aber keiner, der von weitem so aussah wie er... und keiner mit rosa. Noch mehr Merkwürdigkeit beschlich mich. Wahrscheinlich hatte ich ihn nur übersehen. Ich wanderte mal die 100 Meter rüber, zu den Tauchbasen und dann wurde es noch merkwürdiger... ich erkannte hier nichts wieder. Gar nichts. Um sich das richtig vorzustellen: Der Strand ist vielleicht 700 Meter lang, gut überblickbar und ich erwartete nicht, dass mich das Wiederfinden vor große Herausforderungen stellen wird.
Starr und regungslos beginne ich mich zu fragen, ob so etwas wie eine spontane Teleportation stattgefunden hat oder ich in einer Zeitspalte gefangen bin....vielleicht sind ja jetzt alle die ich kenne schon 90 Jahre alt. Erstmal ein paar Test-Whats-App Nachrichten verschicken und die Wirklichkeit kalibrieren. Zeitspalte konnte ich nun ausschließen. Die Verwirrung und mein kurz-vor-heulen Gesicht ( hallo Eltern: wisst ihr noch als ich mit ca. 5 Jahren draußen vor dem Edeka warten sollte, eine Rolle an dem kleinen Geländer gemacht habe und dann heulend und voller Blut am Kopf in den Supermarkt gerannt kam.... so war das, bloß ohne Blut und heulen hab ich auch nicht gemacht) riefen aber sofort Hilfe auf den Plan.
Ein freundlicher sympathischer Typ von Archipel Plongé merkte, dass etwas nicht stimmte. Erst dachte er ich will tauchen.... ich erklärte ihm, dass ich warte, weil der René hier tauchen war. Es dauerte zwei Sekunden bis er mir sagte, hier war heute kein René und er sprach dabei diesen französischen Namen so fremd aus, als hätte ich was kompliziertes auf russisch genuschelt. Er brauchte 3 Sekunden um mir die Liste vom 10 Uhr Tauchgang zu zeigen, kein René und mein Name auch nirgendwo und er brauchte 4 Sekunden um seinen Kollegen zu fragen...der kannte aber nur mal einen René der ca. 2 Meter groß war... das passte dann nicht. Um mich zu beruhigen lief ich erstmal zum Auto und machte es auf und wieder zu. Beruhigend, etwas in meinem Leben schien noch zu funktionieren. Und wieder zurück. Der Tauchlehrer Typ von eben und ich begannen nun doch kurz zu reden. Interessanterweise versuchte er mich immer wieder mehr oder weniger subtil vom tauchen zu überzeugen und falls ich René nicht wiederfinde sollte ich jederzeit vorbei kommen!
So macht man das halt auf einer Insel. Oh jemand ist weg, ich äh geh mal kurz tauchen ;-)
Aber er gab sich wirklich Mühe mir Haufen Elend Hoffnung einzuflößen: Wenn Du ihn nicht findest, rufen wir ihn dann an und alles wird gut. Ich wollte mir diesen Funken Hoffnung nicht zerstören lassen, in dem ich dem Mann sagte, dass ich Renés Handy hatte.
Der Rest des Tages war einfach nur entspannend, bisher haben wir ja fast pausenlos Aktivitäten angesteuert. Lecker kochen (Rindfleisch, Tofuburger, Süßkartoffelpüree und Ratatouille) und eine große Runde im Pool mit lesen, dem Regen zuhören, dem Regenbogen zuschauen, der Sonne zublinzeln, Witze über Vögel machen, dem Versuch Lindenstraße zu streamen und Entspannung. Jetzt ist Feierabend im Karton und es gibt Abendbrot und Käse.hmmmm Kääääääseeeeeeee!!!!
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| Der stündliche Regenbogen |
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| Strand, wo man sich orientierungslos rumtreiben kann |
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| Lungern am Pool mit nicht mehr kalten Füßen |
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| Rechts im Bild: unser Hüttchen für den Nachmittag |
Tag 9: Ab in den Regenwald
Aus gegebenen Anlass wurde gestern vom Standard-Frühstücksritual abgewichen und wir vernaschten einen kleinen Kuchen. Noch leckerer als er aussieht, bis auf den letzten Krümel weggeputzt.Obwohl es noch ganz schön früh war, machten wir uns auf den Weg zur Traversee. Das ist eine große Straße - große Straße ist hier auch ein großes Wort - die die Inselhälfte Basse Terre von Westen nach Osten verbindet. Man fährt hier direkt durch den Nationalpark, nicht beim Vulkan aber trotzdem eine ganz eigene Atmosphäre.
Als erstes Tagesziel stand der Park de Marmelles auf dem Programm. Hier hat man die Möglichkeit mitten im Regenwald einen Hochseilgarten zu besuchen. Beim Eingang angekommen begrüßte uns eine nette fröhliche Frau auf französisch, wechselte dann doch ohne Probleme ins Englische. Für 20 Euro pro Person wurden wir fix mit Gurtzeug ausgestattet und eine netter Herr, der kein englisch kann, wies uns in die Kunst der perfekten Sicherung in luftiger Höhe ein. Die Kombination aus seinen Erklärungen und seiner Vorführung ließen mich jedenfalls fließend französisch verstehen. Nach dem obligatorischen Vorführen des theoretisch gelernten Sicherns durften wir dann losstarten!
Viele kleine Seilbahnen, kleine Hindernisse und Balanceübungen - im Grunde nichts Neues- das Ambiente war einfach einmalig. Es hatte wieder angefangen zu regnen, die Bäume schwangen immer etwas mit dem Wind mit, es roch nach Erde und Grün und es war einfach Regenwald-Feeling, da der Baumbewuchs echt dicht war. Irgendwann zog ich einen meiner zwei Pullover aus, irgendwann ließ uns die Großfamilie vor uns, die ein ziemlich ängstliches (ängstlich gleich langsam) Mädchen dabei hatte. Irgendwie sind auf dieser Insel besonders viele nette Leute. Wir hörten diese Familie noch eine Weile, die Jungs versuchten nämlich erfolglos das Schnecki mittels Affenimitation zum Schnellerklettern zu bewegen. Besonders toll fand ich noch den Parcours, auf dem 200 Meter lange Seilbahnen waren. Verrückterweise sah man beim losfahren das Ende nicht. Ging teilweise wirklich beängstigend schnell durch den Wald. Zum Glück bekommt man vorm losmachen einen Bremshandschuh um mit der Hand, die sich nicht an der kleinen Winde festhält, ein wenig das Drahtseil zu umfassen und abzubremsen. Wenn man sich ordentlich am anderen Ende gesichert hatte, drückte man auf eine kleine Klingel und der nächste kann losfahren. Verrückt, aufregend, ohne Angst.
Nach dem Park ging es immer die Straße weiter. Man fährt durch kleine Straßen, die eigentlich für ein Auto fast zu schmal sind, die verrückten Franzosen brettern aber auch durch die Kurve mit nur gefühltem Wissen ob Gegenverkehr kommt oder nicht. Ich würde wirklich gerne mal die Unfallstatistik vom Guadeloupe sehen. Landschaftlich toll zum gucken, geschwungene Täler, die tief runter gehen, kleine Flüsse, viel viel üppiges grün -Nationalpark eben. Eines meiner neuen Hobbys ist ja auch noch das Ausguck-Finden. Auf unserer Karte ist da dann immer so ein strahlenförmiges Zeichen, lohnt sich mal mehr und mal mittel. Dieser Ausguck hat nicht so viel Ausblick gebracht, sah aber ansich niedlich aus.![]() |
| Vincents kleiner neuer Kumpel |
Es war nun halb zwei und kurz vor Hunger, wir fuhren die Traversee noch fertig um dann Richtung Heimat Bungalow am Strand von Clugny einen Happen zu Essen, einen Punsch zu trinken und uns angemessen über die 40 Grad Temperaturunterschied zu zu Hause zu freuen. Das Restaurant war direkt unter freien Himmel, in bunten Farben am Strand und hier gabs kein Wort englisch zu sagen. Aber alles kein Problem, wenn man so ein Gourmet ist wie ich und nur Hühnchen oder Fisch ist .... die zwei Worte kann ich ja nun auf französisch.
Frisch gestärkt ging es nun nochmal zum Grande Anse, einen für Guadeloupe-Verhältnisse ziemlich langen Strand. Den hatten wir den Tag zuvor schon im Regen bewundert. Auf meiner To Do Liste stand noch ein leckeres Kokosnuss-Sorbet und zu meiner Überraschung, gab es auch an dem Strand ein paar Slackline, die eine Longline zwischen zwei Palmen spannten und ich konnte ein paar wackelige Schritte machen und mich wieder ein bissel ärgern, meine nicht mitzuhaben :-)
Den verbliebenes Restnachmittag sprangen wir in die Wellen, die hier ziemlich hart gegen Strandende brechen und einen gerne ein paar Meter im flachen Sand rum wirbeln. Das Wasser war wieder mal herrlich, so schnorcheln gab es nichts.
Pünktlich zum Sonnenuntergang um 18:20 wurde noch der hinterm-Haus Strand abgecheckt um dann unendlich erschöpft ins Bett zu fallen. Draußen trommelt jemand. Dann noch jemand, dann ganz viele und es wird immer lauter. Es erinnert mich an meinen Nachbarn, der immer laute Musik macht, nur dass das angenehm ist. Die Vögelchen sind heute Nacht auch zu müde zum piepen. Ich lasse mich vom Rhytmus, mit den Ohrenstöpseln in der Hand in den Schlaf trommeln. Gute Nacht Guadeloupe....
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