Sonntag, 26. Januar 2014

Tag 10: Von Tauchausflügen und orientierungslosen Ernies

Ich dachte, ich wäre dem Ernie-sein wenigstens ein wenig entwachsen.Aber anscheinend muss noch viel Regen Basse-Terre herunterregnen. Zur Erinnerung und was bisher geschah; seit ich in der Neon vor vielen, vielen Jahren einen Artikel über das Ernie und Bernd Syndrom gelesen habe, kann ich nicht umhin, dass immer wieder für mich selbst im Alltag zu bestätigen. Wer mag, kann ja einfach mal googlen: Neon, Ernie und Bert...das kann man finden. Als Kurzfassung: Jeder kennt Ernie und Bert aus der Sesamstraße, der eine denkt bevor er handelt, der andere handelt und verpeilt. Struktur gegen den Drang sich treiben zu lassen und den unerschütterlichen Glauben, dass sich alles von alleine fügt. Mitunter wird man von der Realität unterbrochen. Für mich persönlich ist immer noch nicht ganz klar, ob ich wirklich ein Ernie bin, oder einfach nur einen unglaublich schlechten Orientierungssinn habe.

Egal. Zurück zum Frühstück. Mit einem großen Schluck Kaffee, einem kleinen Stück Kuchen und einer Tasse voll Müsli wurde dieser Tag begrüßt. Aus der anfänglichen Planlosigkeit gegenüber diesem Tag wurde dann doch relativ schnell ein konkreter Plan. Da gestern genauso aufregend wie anstrengend war, entschieden wir uns zum Jacque Cousteau-Reservat zur Tauchstation zu fahren und einen Tauchgang für die nächsten Tage klar zu machen.

Nach einer knappen Stunde Fahrt... ja verrückt... auf dieser Inselhälfte muss man echt lange fahren: Aber ich mag die Autofahrten, die Dörfchen kennt man mit der Weile und ich bin in Deshaies immer noch zu entspannt, um rechtzeitig mein Foto von der Bucht zu schiessen. Immer zwei Kurven zu spät :-) Steht aber ganz große als Etappenziel für die nächsten vier Tage auf dem Zettel.

Endlich angekommen, endlich ein Parkplatz...(um 9:40 am Strand gar nicht so einfach auf n Sonntag) wir watschelten zuversichtlich zu dem kleinen Büdchen, dessen Flyer wir im Flyerstapel im Hotel am ansprechensten fanden. (Diesmal Safety First: english spoken war das Trigger-Wort). Die nette Frau brachte uns auch gleich dorthin -where the magic happens- zur Tauchstation. Dort waren alle furchtbar freundlich und zuvorkommend und auch wenn es nur noch 10 Minuten Zeit waren, konnte René am 10 Uhr Tauchgang teinehmen. Vollkommen euphorisch und motiviert wurde ich mit auf den Zettel für das Boot geschrieben, aber mitfahren und dann oben bleiben ... das ist irgendwie wie an den Strand fahren und nicht ins Meer hüpfen. In der Eile konnten wir uns weder verabschieden, noch einen Treffpunkt ausmachen noch irgendwas organisatorisches bereden. Eigentlich gut, weil ein Ernie braucht das nicht... irgendwie merkwürdig, aber wenigstens wußte ich, wann das Tauchboot zurückkommt. Die Zeit zwischen 10 und 12 war meine. Die Tauchstations-Schnecke hat mir noch erklärt, dass in der Bucht die Schildkröten zum Frühstück kommen und mir gezeigt wo ich schnorchel muss, um die Turtels zu sehen. Und so flanierte ich am voller werden Strand. Crepe war noch nicht offen und auf Kaffee hatte ich keine Lust. Aber wozu auch mehr wollen als da ist. Ich holte mein Handtuch mein Schnorchelzeug und vergnügte mich leider Schildkrötenlos am Strand und kam endlich mal wieder zu einer ausführlichen Leserunde (Gleitflug von Anne-Gine Goemans - nichts aufregendes, aber ich mag wie die Geschichte erzählt wird und ich kann mir alle, die in dem Buch vorkommen vorstellen).

Irgendwann wurde es kurz vor Zwölf und mein Herz machte einen kleinen Hüpfer, als das Tauchboot von Archipel Plongé anlegte. Kurzer erfolgloser Kenner-Blick über die ganzen Taucher, die ausstiegen...ein merkwürdiges Gefühl stieg in mir hoch...ich wusste, dass René eine rosa Taucherflasche hatte, dass fand ich nämlich ziemlich lustig. 

Da war aber keiner, der von weitem so aussah wie er... und keiner mit rosa. Noch mehr Merkwürdigkeit beschlich mich. Wahrscheinlich hatte ich ihn nur übersehen. Ich wanderte mal die 100 Meter rüber, zu den Tauchbasen und dann wurde es noch merkwürdiger... ich erkannte hier nichts wieder. Gar nichts. Um sich das richtig vorzustellen: Der Strand ist vielleicht 700 Meter lang, gut überblickbar und ich erwartete nicht, dass mich das Wiederfinden vor große Herausforderungen stellen wird. 
Starr und regungslos beginne ich mich zu fragen, ob so etwas wie eine spontane Teleportation stattgefunden hat oder ich in einer Zeitspalte gefangen bin....vielleicht sind ja jetzt alle die ich kenne schon 90 Jahre alt. Erstmal ein paar Test-Whats-App Nachrichten verschicken und die Wirklichkeit kalibrieren. Zeitspalte konnte ich nun ausschließen. Die Verwirrung und mein kurz-vor-heulen Gesicht ( hallo Eltern: wisst ihr noch als ich mit ca. 5 Jahren draußen vor dem Edeka warten sollte, eine Rolle an dem kleinen Geländer gemacht habe und dann heulend und voller Blut am Kopf in den Supermarkt gerannt kam.... so war das, bloß ohne Blut und heulen hab ich auch nicht gemacht) riefen aber sofort Hilfe auf den Plan. 

Ein freundlicher sympathischer Typ von Archipel Plongé merkte, dass etwas nicht stimmte. Erst dachte er ich will tauchen.... ich erklärte ihm, dass ich warte, weil der René hier tauchen war. Es dauerte zwei Sekunden bis er mir sagte, hier war heute kein René und er sprach dabei diesen französischen Namen so fremd aus, als hätte ich was kompliziertes auf russisch genuschelt. Er brauchte 3 Sekunden um mir die Liste vom 10 Uhr Tauchgang zu zeigen, kein René und mein Name auch nirgendwo und er brauchte 4 Sekunden um seinen Kollegen zu fragen...der kannte aber nur mal einen René der ca. 2 Meter groß war... das passte dann nicht. Um mich zu beruhigen lief ich erstmal zum Auto und machte es auf und wieder zu. Beruhigend, etwas in meinem Leben schien noch zu funktionieren. Und wieder zurück. Der Tauchlehrer Typ von eben und ich begannen nun doch kurz zu reden. Interessanterweise versuchte er mich immer wieder mehr oder weniger subtil vom tauchen zu überzeugen und falls ich René nicht wiederfinde sollte ich jederzeit vorbei kommen! 

So macht man das halt auf einer Insel. Oh jemand ist weg, ich äh geh mal kurz tauchen ;-)

Aber er gab sich wirklich Mühe mir Haufen Elend Hoffnung einzuflößen: Wenn Du ihn nicht findest, rufen wir ihn dann an und alles wird gut. Ich wollte mir diesen Funken Hoffnung nicht zerstören lassen, in dem ich dem Mann sagte, dass ich Renés Handy hatte. 

Aber keine Sorge, die Geschichte geht gut aus. Auf Sherlock Holmes Spuren suchte ich eifrig nach Anhaltspunkten und in meiner Dokumentationssucht schaute ich einfach die Fotos an, die ich vor dem Tauchgang vor der Tauchstation gemacht hatte. Yes. Rosa Häusschen, Holz und ja ;-p aufeinmal wurde es, wie bei so vielen Sachen, wenn man einmal dahinter gekommen ist, wie es läuft, sehr sehr einfach. Ich ging ganz souverän die 5 Meter weiter, zur nächsten Tauchstation und eine freundlich winkende Frau wedelte schon und machte mir in feinstem fränzösisch klar, dass das Boot gleich anlegt. Tiefes Einatmen, tiefes Ausatmen...keiner was gemerkt! Notiz an mich: Immer schön den Weg merken :-) immer schön ruhig bleiben, und wie hat Oscar Wilde schon gesagt: Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende

Der Rest des Tages war einfach nur entspannend, bisher haben wir ja fast pausenlos Aktivitäten angesteuert. Lecker kochen (Rindfleisch, Tofuburger, Süßkartoffelpüree und Ratatouille) und eine große Runde im Pool mit lesen, dem Regen zuhören, dem Regenbogen zuschauen, der Sonne zublinzeln, Witze über Vögel machen, dem Versuch Lindenstraße zu streamen und Entspannung. Jetzt ist Feierabend im Karton und es gibt Abendbrot und Käse.hmmmm Kääääääseeeeeeee!!!!


Der stündliche Regenbogen

Strand, wo man sich orientierungslos rumtreiben kann

Lungern am Pool mit nicht mehr kalten Füßen

Rechts im Bild: unser Hüttchen für den Nachmittag

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