Mittwoch, 22. Januar 2014

Tag 6: Ein perfekter Tag in Petit Terre

Guadeloupe hat verschiedenste kleine Inseln um sich herum gescharrt.Die meisten unbewohnt und nur mit dem Boot zu erreichen.

Der  heutige Tag sollte uns für 90 Euro pro Person auf einem 1-2-viele-motorigem Speedboot dorthin bringen. Der Mann, nennen wir ihn Patrick, weil er so heisst :-) versprach uns bei der Buchung einen perfekten Tag. Wir haben ihn relativ am Anfang des Urlaubes zufällig getroffen, als er gerade sein kleines Rundreisen/Aktionsverläuferhäusschen abgeschlossen hatte.  Ich kann nur sagen: Was für ein Glück, dass er uns über den Weg gelaufen ist.

Ursprünglich wurde uns gesagt, dass der Kapitän keine Ahnung von deutsch und englisch hat. Wir sollen dann einfach zum Hafen gehen, Polo finden (Polo soll groß sein, keine Haare haben und weiß) und der regelt dann,dass wir auf das Boot kommen und bei 12 Teilnehmern wird schon irgendwer ein wenig englisch für uns übersetzen können. Ehrlich gesagt, ist mulmiges Gefühl ein kleines Wort, aber wir haben uns ja für das Alien-Dasein entschieden.

Am Hafen angekommen, war es kein Problem Polo zu finden, der nun französisch sprach. Es schaffte uns mit unserer englischen Quittung von Patrick zum Speedboot, wo ein Typ, der aussah wie Paul Walker, bloß gebräunter, auf uns wartet. Und ja:-) das war unser Kapitän! Und er war Franzose, hatte gute Laune und keine Problem uns auf englisch zu erklären, dass wir uns Badesachen anziehen solle, Sonnencreme benutzen sollten und unsere Schuhe in eine Kiste packen. Hier muss ich noch anmerken, dass ich aufgrund meines Jobs die Bezeichungen der verschiedensten Kleidungsstücke, unter anderem auch auf französisch, beherrsche und ich endlich meine "Mailotte de Bain" Kenntnisse sinnvoll anwenden konnte. Das Wort kannte der Kapitän nämlich nicht ;-) Auf dem Boot fanden uns alle irgendwie niedlich... die zwei kleinen Deutschen.

Es gab 6 Plätze hinter dem Kapitän und seinem Skipper Jeremy und vorne auch nochmal 6. Wir saßen vorne mit Blick nach vorne, links und rechts mit dem Rücken zum Boot jeweils ein französisches Päärchen Ende 30 bzw. Ende 40, die uns beide bei jeder Welle, die das Boot nahm und bei jeder Welle die ins Boot kam, liebevoll anschauten, als ob wir uns gleich auflösen und die das schade finden. Generell wurden wir scheinbar mit verständnisvollen Blicken bedacht, als wären wir ausgebüchste Teenager, die mit Papas Kreditkarte so lange durchbrennen, bis die Winterferien vorbei sind.

Die Fahrt dauerte 45 Minuten und war einfach der Wahnsinn, hoch runter, Wasser auf den Wellen und ein bisschen Geschaukel. Wir fuhren mit dem Speedboot an dem Aussichtspunkt vorbei, den wir schon kannten und mir war diese Insel so vertraut, als wären wir schon weitaus länger als eine knappe Woche hier.

Endlich kam die kleine Insel Petit Terre zum Vorschein. Direkt gegenüber liegt die unbetretbare Schildkröteninsel. Das Boot hielt und der Kapitän setzte zu einem 15 minütigem Vortrag an, was man darf, was verboten ist, wo wir sind und Organisatorisches. Naja.... ich finde gut, dass die Franzosen nicht so schnell reden wie die Spanier. Ich finde nicht so gut, dass alle Wörter, die ich kenne nicht in der Erklärung vorkamen.

Machte aber nichts! Denn alle meine gesammelten Karmapunkte der letzten Monate manifestierten sich in Pierre! Pierre war Mitte 50 und hatte sich in der Blüte seiner Jugend gegen eine professionelle Boxerkarriere entschieden und für die sinnvolle Aufgabe des Deutschlehrers in Toulouse! Der Kapitän erklärte genauso geduldig und ausführlich, wie beim ersten Mal seinen Landsleuten und nun Pierre, und der dann noch ausführlicher und ausschweifender uns, was hier so unsere kleine Insel alles kann. Mich hat das ziemlich verdutzt, dass die sich soviel Zeit genommen haben, alles mit nem Lächeln.

Der Rest des Tages war einfach nur schön. Im flachen Wasser mit Rochen und Babyhaien schnorcheln. Unmengen an bunten Fischen und die Sonne im Palmenpanorama immer im Blick. Auf der Insel leben auch noch jede Menge freilaufende Leguane, die immer mal wieder gemütlich vorbei kamen um dann wie kleine Angsthasen wegzulaufen. Das Laufen ist eher so eine Art Springen, wie über glühende Kohlen, drollige Dinger.

Zum Mittag gab es lecker Barbeque. Fisch und frischen Salat, kreolischen Reis und eine leckere Sauce. Dazu natürlich Wein :-) Wir sind ja in Frankreich. Punchmäßig waren die auch super ausgestattet. Um 10 Uhr gab es einen Guavenpunch.Als Aperitif vor dem Essen einen Coco-Punch aus der Distillerie, in der wir gestern waren und nach dem Essen einen Kaffee-(Punch). Für mich sogar zwei :-p

Der nette Pierre, brachte uns dann auch noch ein Heinekken und fachsimpelte mit uns über Fußball und Angela Merkel. Die verbliebenen 90 % der Franzosen am Tisch ließ sich von ihm das Gespräch übersetzen. Alles tippi-toppi und ich habe diese ganzen Franzosen beim Mittag wirklich in mein Herz geschlossen. Vergleichbare Situationen mit deutschen Reisegruppen, habe ich bisher noch nicht so entspannt und gelöst und angeregt erlebt. Die Sonne machts halt. Als Nachtisch gab es noch gegrillte Bananen mit Rum. Ich muss mir dringend einen Grill und einen Balkon kaufen!!!

Nach dem Essen konnte man noch eine kleine Wanderung zu dem Minileuchtturm auf der Insel machen und weiter übermütige Leguane beobachten, die dann doch Muffensausen bekommen und sich im Busch verstecken, Kokosnüsse sammeln und baden, schnorchel, sonnen ...

Pünktlich um 16 Uhr war dann zurücktuckern angesagt. Hätten wir fast nicht geschafft, weil ein Riesenbarrakuda René nicht aus dem Wasser lassen wollten. Laut Wikipedia greifen die einmal an uns beißen tiefe blutende Wunden und verschwinden dann wieder lustlos ins Meer... verrückt! Also immer schön bei der Gruppe bleiben und nicht so weit raus!

Unser Kapitän war nicht im geringsten lustlos. Mit der feinsten Sommermusik fuhren wir der Sonne entgegen. Wir waren das letzte Boot und er ließ es sich nicht nehmen, noch mal ganz langsam vor der Turtle-Island anzuhalten. Wir haben riesige Schildkröten gesehen, die eine hat zum Abschied auch noch ihren Kopf neugierig aus dem Wasser gehalten. Was für ein Tag!

Wieder in St. Francois im Hafen angekommen, wurden wir mit Küsschen links/rechts verabschiedet und tuckerten gemütlich zum Auto und nach Hause. Ich hätte nicht erwartet, dass es so ein harmonischer Tag werden würde, bei dem ich mich nicht nur in dieser fremden Gruppe, ständig wie ein Alien fühle muss, sondern einfach mit netten, etwas älteren Leuten einen herrlischen Tag am Strand verbringe. Keine Ahnung wie das zu toppen sein soll.

Bilder jibbet dann morgen!

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