Sonntag, 19. Januar 2014

Tag 2: Eine Runde an der Küste mit Krebsen, Kolibris und laufenden Muscheln

Der zweite Tag fängt früh an, denn der erste Tag hat früh aufgehört. Die Zeitverschiebung von 5 Stunden macht sich doch schon irgendwie bemerkbar. Macht aber gar nichts, denn mit den gefühlten 5 Stunden später, ist man hier perfekt an die Sonnenaufgehzeit um 6 Uhr und Sonnenuntergehzeit an 18 Uhr angepasst.

Geheimagent-Gecko
Mein kleiner Kumpel ist auch schon wach und sucht nach neuen Abenteuern.


Heute ist Tag zwei und das Aufwachen fühlt sich normal an. Ich habe geschlafen wie ein Stein und weder den Regen, noch die Vögelkollonie, die pausenlos piepst, noch die Kokosnuss, die aufs Dach gefallen ist gehört. Frühstück gabs auf der Terrasse hinterm Haus und innerhalb kürzester Zeit stand das Programm für den heutigen Tag.

Frühstück Baby!

Direkt neben Sainte-Anne liegt der Plage de Bois Jolan. Nach dem zweiten Kaffee wurde das Auto mit dem Nötigsten beladen und auf ging es zum Schnorcheln und Palmen begutachten. Der Strand war herrlich, nicht so breit uns ausgedehnt wie vermutet, aber einfach ein Traum. Im Sand liegen, die Krebsen zuschauen, wie sie mit ihrer kleinen Muschel auf dem Rücken irgendwo hinkrebsen und den feinen weichen Sand durch die Finger rieseln lassen.

Langsam setzt Entspannung ein. Hektik ist mir schon ein Fremdwort und ich fühle mich als ob die Zeit stehen bleiben könnte, weil sie hier einfach nicht wichtig genug ist.



Den Strand kann man wunderbar entlang laufen und die Kokosnusspalmen, die direkt am Meer wachsen und Postkarten Romatik versprühen, genießen. Ich hab vor kurzen eine Reportage gesehen, an die ich hier bei jeder Palme denken muss. Die sind ja nicht ewig hier gewesen.

Die Insel ist irgendwann mal aus nem Vulkan rausgehüpft äh entstanden und so tucker tucker tuckermäßig sind die Kokosnüsse übers Meer hierher geschwommen, gestrandet und gewachsen. Die kleinen Racker - ich bin ganz verliebt.

Plage de Bois Jolan

Die gestern gekaufte Schnorchelausrüstung kam auch gleich zum Einsatz. Ich habe es dann auch irgendwann geschafft meinen Kopf samt Taucherbrille und Schnorchel unter das 20 cm tiefe Wasser zu halten. Gar nicht so einfach. Ich meine, ich habe keine Angst vor Kopf unter Wasser, und vor im Meer-sein auch nicht. Aber naja, vor dem was im Meer ist: Fische, Krebse, Pflanzen ... Sand geht so halbwegs. Wer sich jetzt zurecht fragt, warum ich dann schnorcheln will: verpassen will man ja auch nichts und die Angst für immer bei sich zu behalten machts ja auch nicht besser. Außerdem find ich Seesterne soooo niedlich!!!!
Mein Schnorchelausflug war nach 15 Minuten und der Sichtung einer vollkommen unbeweglichen Seeigel-Familie der Farbe Schwarz also Alarmstufe ROT vorbei. Naja. Morgen wieder!

Beine oder Hotdog ;-)


Vom Strand aus lag unser nächster Zwischenstopp in der nächsten größeren Stadt Saint-Francois. Hier gab es einen kleinen Flugplatz und wir haben uns ausgiebig die französischen Ultraleicht und Motorsegler angeschaut. Zum Fachsimpeln konnte ich nicht soooviel beitragen, aber immer wieder schön. Außerdem gab es hier noch einen grünen Gecko zu bewundern!

Find den grünen Gecko
Weiter ging es nach Norden zum Porte dé  Enfer, eine krasse Grotte im Meer, in die eine verrückte Madame Coco geflüchtet sein soll. Angeblich guckt da immer mal der Schirm aus dem Wasser. Kein Schirm, dafür hübsche Wellen, und ein kleiner feiner Strand, den man ganz für sich alleine genießen konnte.








   

Hunger macht sich breit und damit auch die Gewissheit, wieder einmal in die Realität des Nicht-französisch Sprechens einzutreten und unseren kleine deutsche Blase zu verlassen. Auf der Fahrt nach Le Moule halten wir kurz an Timos Grill, jedenfalls hab ich den Restaurant Namen so interpretiert. Timo oder jemand der mit ihm verwandt ist, grillt und es riecht nach gebrutzeltem Fleisch und leckerer Soße. Leute sitzen rum, es gibt eine Schaukel, die an einem Baum knarrend befestigt ist und ein paar Typen sitzen an der Gegenüberseite vom Grill ganz relaxed auf ein paar Barhockern. Entspannte Stimmung macht sich breit. Der Grillmeister wirkt aber nicht ganz so entspannt, als wir ihm deutlich machen, wir "no francois". Vielleicht tu ich ihm auch Unrecht... jedenfalls springen ein paar Leute ein und übersetzen ein wenig die Karte.Timo, oder jemand der mit ihm verwandt ist, mischt sich dann doch mal ein: es gibt nur noch ein Essen und dass sind Schrimps am Spieß. Das heisst: weiter, ich esse ja keine Meeresfrüchten.

Find die laufende Muschel!

In Le Moule angekommen halten wir an einem kleinen italienischen Restaurant an der Straße. Plastikstühle und Tischdecken und eine Karte, die wir nur interpretieren können. Macht aber nichts, die Kellnerin versteht unser Problem, interpretiert es ihrerseits und holt ihre Mutter, die den Familienbetrieb unterstützt. Die Mum kann auch kein englisch, spricht aber so eine Art französisch und hat etwas gewinnendes, dass es keine andere Möglichkeit gibt als hier zu bleiben und zu essen. So richtig wissen wir nicht was kommt, wir haben immer mal wieder genickt und "Chicken" in unsere- naja- Unterhaltung eingeworfen. Wir bekommen jeder ein Radler und langsam macht sich das mulmige Gefühl und die Befürchtung breit, dass wir vielleicht das Reisegeld von zwei Tagen hier loswerden könnten. Dann kommen kleine Brote mit getrockneten Tomaten und Oliven als Aperitif. In Portugal haben wir mal 10 Euro für Butter und Brot vorweg bezahlt, wer weiß was hier passiert und schnell laufen können wir wegen meiner Blase am Fuß auch nicht mehr. Egal: durch und fertig. Nach den Brötlis kommt Salat mit einem großen Stück paniertem Chicken. Lecker. Dressing fein, etwas Fromaaaaasschhh und frisches Brot dazu. Egal, wieviel uns dieser Touristenfang hier zu stehen kommt, es hat geschmeckt und das ist im Grunde ja auch das Wichtigste. Der Vater kommt dann zwischendurch auch noch vorbei und fragt uns, wie es schmeckt, das machen wir wieder auf Händisch und Füßisch. Als wir dann ungefragt die Rechnung bekommen, wird klar, dass es Sinn gemacht hat, die ganzen Karma Punkte im letzten halben Jahr zu sammeln: 30 Euro für zwei Essen und drei Getränke. Perfekt: fast unter Einkaufspreis :-)
DEN ELF!!!!

So gestärkt schlendern wir dann noch eine Runde durch Le Moule und kaufen mir noch ein Haargummi, meiner war verloren gegangen und ich war kurz davor mir mit dem Messer vom Essen einen frechen Bob zu schneiden :-) und dann gings weiter zum äußersten Punkt der Insel im Osten. Dort treffen Atlantik und Karibisches Meer zusammen und die Aussicht ist so traumhaft, dass es leider nicht das Abgeschiedenheits-Flair des vormittags hatte, trotzdem gut war. Wir sind ein bissel über die alten Steine gehüpft - die mal Korallen waren, haben weiter den kleinen Krebsen beim Tagwerk zugeschaut und uns vom Wellenspiel fesseln lassen. Großes Kino!

 

Wieder zu Hause klopfte Melanie, unsere unbekannte Vermieterin, nochmal an. Ihre Mom hatte ihr die lustige Geschichte von gestern erzählt. Lustigerweise wissen wir jetzt auch was die verwirrte Omma wollte: mit uns zur nächsten Stadt laufen, weil der Bus nicht kam.Sehr gut: Also nicht mit Leuten mitgehen, die man nicht versteht und die verwirrt rumbrüllen. Jedenfalls ist morgen Karneval in der Stadt. Ich bin gespannt.

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